NÖAAB: Wahlfreiheit sichern - Sonderschulen bleiben unverzichtbar

Bereits seit 2017 setzt sich der Niederösterreichische Arbeitnehmerinnen- und Arbeitnehmerbund (NÖAAB) klar für den Erhalt der Sonderschulen ein.

Die aktuelle Diskussion rund um die Zukunft der Sonderschulen zeigt einmal mehr, wie sensibel dieses Thema für viele Familien, Pädagoginnen und Pädagogen ist. Für den NÖAAB ist klar: Inklusion ist wichtig und richtig, sie darf aber nicht dazu führen, dass bewährte Strukturen abgeschafft werden.

„Es braucht sowohl inklusive Bildungsangebote als auch Sonderschulen. Eine Einheitslösung wird den unterschiedlichen Bedürfnissen der Kinder nicht gerecht. Manche Kinder erleben gerade in der Sonderschule Erfolgserlebnisse, die in einer Regelschule oft schwer möglich wären. Aufgabe unseres Bildungssystems muss es sein, auf die unterschiedlichen Fähigkeiten und Bedürfnisse der Kinder einzugehen. Gemeinsame Modelle unter einem Dach können ein guter Weg sein, die Struktur der Sonderschulen muss aber jedenfalls erhalten bleiben“, betont Landtagsabgeordneter Franz Dinhobl.

Bereits 2017 setzte der NÖAAB mit einer Petition zum Erhalt der Sonderschulen ein starkes Zeichen. Mehr als 11.000 Niederösterreicherinnen und Niederösterreicher unterstützten damals diese Initiative.

Auch Eltern und Lehrkräfte unterstreichen die große Bedeutung der Sonderschulen. Kleinere Klassen, individuelle Betreuung und spezialisierte Förderangebote schaffen für viele Kinder die passenden Rahmenbedingungen.

Personalvertreterin und Zentralausschuss-VP-Regionalbetreuerin Anita Reiner erklärt dazu: „Inklusion kann gut funktionieren. Gleichzeitig braucht es aber auch Sonderschulen, damit Kinder nicht überfordert werden, sei es durch große Gruppen oder fehlende Unterstützung. Es geht darum, jedes Kind dort abzuholen, wo es steht.“

Constanze Zinsberger, Volksschullehrerin und Mutter eines betroffenen Kindes, schildert ihre persönliche Erfahrung: „Unser Sohn darf die Waldschule besuchen und wir sind darüber sehr dankbar. Für ihn wäre eine klassische Inklusion nicht passend. Er ist in einer kleinen Klasse mit sechs Kindern, zwei Lehrpersonen und zusätzlicher sozialpädagogischer Unterstützung. Selbst diese Struktur ist für ihn manchmal noch herausfordernd. In der Sonderschule gibt es einfach Möglichkeiten und Fachwissen, die in einer Regelschule oft nicht in diesem Ausmaß vorhanden sind.“

Auch Bezirks-Personalvertreterin Eva Kneissl sieht Handlungsbedarf: „Sonderschulen müssen gestärkt und weiterentwickelt werden. Derzeit fehlen vielerorts die notwendigen Ressourcen. Das spüren auch Volksschulen und Mittelschulen.“ Dir. Christoph Rosenkranz ergänzt: „Viele Eltern sind anfangs skeptisch. Oft merkt man aber schon nach kurzer Zeit, wie sehr sich die Situation für die Kinder und damit auch zuhause verbessert. Das Vorurteil, Kinder würden in Sonderschulen ausgegrenzt, entspricht vielfach nicht der Realität.“

Für Stadt-Personalvertreterin Gernot Mayerhofer steht vor allem die individuelle Förderung im Mittelpunkt: „Es braucht Fachkräfte, die gezielt auf die Stärken und Schwächen der Kinder eingehen können. Genau dafür braucht es passende Rahmenbedingungen.“

Der NÖAAB fordert daher den Erhalt und die Weiterentwicklung der Sonderschulen, den gezielten Ausbau inklusiver Modelle sowie echte Wahlfreiheit für Eltern und Familien.

„Inklusion muss funktionieren, aber Sonderschulen müssen erhalten bleiben. Dafür braucht es ausreichend Personal, passende Rahmenbedingungen und Hausverstand in der Bildungspolitik. Unser Ziel muss sein, jedes Kind bestmöglich zu fördern, ohne ideologische Scheuklappen“, so NÖAAB-Bezirksobmann Thomas Heissenberger abschließend.