Unesco-Urkundenverleihung (Kopien) für 10 Pecherprojekte

Am Foto: Nachwuchspecher Lukas Schagl (l.), NR Bgm. Johann Rädler und Christoph Artner im Hölleser Pecherwald

Der bisher größte Erfolg seit Ende der Pecherei als Gewerbe im vorigen Jahrhundert

 

Nach der offiziellen Urkunden- und Logoverleihung in St. Wolfgang im Salzkammergut durch die Unesco-Nationalagentur an den Koordinator der Arbeitsgemeinschaft "Pecherei in Niederösterreich", Ernst Schagl aus Matzendorf-Hölles, wurden nun nach Genehmigung durch die Unesco die Kopien an 9 weitere Pecherprojekte in Anwesenheit von NR Bgm. Johann Rädler beim Pecherpfad Hölles übergeben.

 

Nach zwei Gutachten, der Prüfung durch einen 24-köpfigen Fachbeirat und der endgültigen Entscheidung durch eine Kommission von 10 Wissenschafter wurde heuer im Frühjahr das alte, praktisch ausgestorbene Handwerk der Harzgewinnung von Schwarzföhrenbäumen, Pecherei genannt, als immaterielles Kulturerbe der Unesco aufgenommen. „Der bisher größte Erfolg seit Ende der Pecherei als Gewerbe im vorigen Jahrhundert", freut sich Lokalhistoriker Schagl, der die Bewerbung eingereicht hatte.

 

Nach dem Geläute der einzigen Pecherglocke des Landes und einer Gedenkminute für die tausenden verstorbenen Pecher der gesamten Region vor der Pecherkapelle folgte die Übergabe der Auszeichnungen durch Ernst Schagl und NR Johann Rädler an folgende Projekte: dem Pecherhof Hernstein, Pechermuseum und -lehrpfad Hernstein, Waldbauernmuseum Gutenstein, Heimatmuseum Markt Piesting, Pecherlehrpfad Wöllersdorf, Pecherführungen Waidmannsfeld, Pecher-Themenweg Winzendorf, Forstmuseum Klausen-Leopoldsdorf und an die Mitinitiatoren des Pecherpfades Hölles. Dem Alpin- und Heimatmuseum Hohe Wand wird die Auszeichnung nachgereicht.

 

Die Pecherei war in den lezten beiden Jahrhunderten für tausende Familien entlang der Thermenlinie eine wichtige Einnahmequelle. Billigimporte aus dem Ausland und die Zunahme der Chemie (Farben, Papierleime ua wurden statt dem Naturharz durch chemische Produkte ersetzt) sorgten langsam für das Erliegen dieses Gewerbes ab den 60er Jahren des vorigen Jahrhunderts. Heute gehen nur noch 8 Pecher nebenberuflich diesem Handwerk nach und liefern ihr Harz in den einzigen kiefernharzverarbeitenden Betrieb der Welt, in den Pecherhof Hernstein, wo noch zahlreiche Produkte wie Kiefernbalsam, Saunaaufgusspräparate, Saupech, Terpentinöl, Kolophonium für die Streicher uam hergestellt werden. Nach der Unesco-Aufnahme wird die Pecherei international immer bekannter: Die Österreich-Werbung wird im kommenden Jahr die Pecherei gemeinsam mit der Spanischen Hofreitschule auf allen großen Tourismusmessen der Welt bewerben.