Auftakt für die Forschung bei MedAustron

Bildtext: Vizekanzler und Bundesminister für Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft Dr. Reinhold Mitterlehner, Landeshauptmann Dr. Erwin Pröll und MedAustron-Aufsichtsratsvorsitzender Mag. Klaus Schneeberger mit MedAustron Geschäftsführer DI Alfred Zens beim Rundgang durch das Zentrum im Bestrahlungsraum

Übergabe des Bestrahlungsraumes an die Wissenschaft

Wiener Neustadt, 19. August 2016. Ein starker Forschungsimpuls ergänzt die Spitzenmedizin bei

MedAustron. Die für Österreich einzigartige Beschleunigeranlage wird neben der klinischen Anwendung

auch für die nichtklinische und translationale Forschung genutzt. Ein ausschließlich zu diesem Zweck

vorgesehener Bestrahlungsraum mit High-Tech Ausstattung wurde samt Protonenstrahl nun offiziell an

die Wissenschaft übergeben. Ein wichtiger Meilenstein für das Zentrum, wie Vizekanzler und

Bundesminister für Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft Dr. Reinhold Mitterlehner,

Landeshauptmann Dr. Erwin Pröll und MedAustron-Aufsichtsratsvorsitzender Mag. Klaus Schneeberger

bei der heutigen Pressekonferenz betonten.

Ein Bestrahlungsraum, der uneingeschränkt der Wissenschaft zur Verfügung steht – das ist eine

Besonderheit, die MedAustron von anderen Ionentherapiezentren klar abhebt. Ebendieser Raum erfüllt

bereits alle technischen Erfordernisse, das Team von MedAustron hat alle Vorbereitungen am

Equipment, den Softwaresystemen und dem Protonenstrahl zeitgerecht abgeschlossen. Nun wird dieser

Raum auch gemeinsam mit jenen Wissenschafterinnen und Wissenschaftern, die darin den Strahl für

ihre Experimente nutzen, in Betrieb genommen.

»Jährlich erkranken 39.000 Menschen in Österreich an Krebs. Heute setzen wir im Kampf gegen diese

Krankheit einen neuen medizinischen Meilenstein. MedAustron wird eines von weltweit nur sechs

Hochtechnologie-Krebstherapiezentren sein, die mit der neuesten Technologie therapieren«, sagte

Vizekanzler Mitterlehner bei der Übergabe des Bestrahlungsraums an die Wissenschaft. Dieser Schritt

sei »ein perfektes Beispiel für den funktionierenden Kreislauf von der wissenschaftlichen Arbeit zur

Umsetzung neuer Technologien in der Praxis.« Dass Österreich damit auf dem richtigen Weg ist, zeige

auch das Interesse des CERN. Das international renommierte Institut überlegt bereits, einen ähnlichen

Forschungsbetrieb in Genf einzurichten. »MedAustron ist ein Erfolgsprojekt, das durch gute Kooperation

zwischen Bund, Land und dem Institut selbst wachsen konnte. Das nützt den Patienten und stärkt die

internationale Positionierung Österreichs als Wissenschafts- und Forschungsstandort«, so Mitterlehner.

»MedAustron ist ein richtungsweisendes Projekt im niederösterreichischen Wissenschafts- und

Forschungsprogramm. Heute zeigt sich, dass die langjährige Planung und die intensive

Vorbereitungsarbeit Früchte tragen: Mit der Übergabe des Forschungsraumes an die

Wissenschafterinnen und Wissenschafter ist das einzigartige Zentrum nun endgültig dem Projektstatus

entwachsen und in Kürze wird es auch den medizinischen Betrieb als Ambulatorium aufnehmen«,

erklärte Landeshauptmann Dr. Erwin Pröll in seinem Statement. Er betonte weiter: »MedAustron wird

Niederösterreich damit auf die internationale Landkarte der Spitzenmedizin und Spitzenforschung

bringen. Große Anerkennung gebührt den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und allen Partnern, die in

den letzten Jahren tatkräftig dazu beigetragen haben, das Projekt in die Tat umzusetzen.«

Drei Forschungsgruppen werden die einzigartige Beschleunigeranlage für die nichtklinische und

translationale Forschung nutzen, bereits in den Jahren 2014 und 2015 wurden entsprechende

Professuren eingerichtet: »Medizinische Strahlenphysik und Onkotechnologie« sowie »Angewandte und

translationale Strahlenbiologie« an der Medizinischen Universität Wien und »Medizinische

Strahlenphysik mit Schwerpunkt Ionentherapie« am Atominstitut der Technischen Universität Wien.

Gemeinsam hat man ein Forschungsprogramm für die erste Periode bis 2018 erarbeitet, viele

Arbeitspakete davon werden interdisziplinär bearbeitet. Erkenntnisse aus der medizinischen

Strahlenphysik können beispielsweise die Bestrahlung von beweglichen Zielen, wie zum Beispiel der

Lunge, deutlich verbessern, während die Strahlenbiologie danach trachtet, Patientinnen und Patienten

noch individueller entsprechend der Eigenschaften ihrer Tumoren und Risikogewebe zu behandeln. Die

Ergebnisse der Strahlenphysik sollen ferner auch zur Verbesserung von Bestrahlungsplanungssystemen

beitragen und die Überwachung der Therapie mittels in-vivo Reichweitenmessung ermöglichen. Über

2018 hinaus sollen die Schwerpunkte der Forschung dann um Kohlenstoffionen oder neue

Teilchensorten wie Helium oder Sauerstoff erweitert werden.

Die medizinische Anwendung der Teilchenstrahlen lässt bei MedAustron nicht mehr lange auf sich

warten, wie der Aufsichtsratsvorsitzende Mag. Klaus Schneeberger erklärte: »Der erste Patient ist in

Griffweite. Die Anlage bzw. der Therapiestrahl ist schon bereit, wir müssen lediglich noch Nachweise zur

Erfüllung gesetzlicher Auflagen erbringen und die Patientensicherheit in einer Reihe von Tests

bestätigen. Damit liegen wir gut im Plan, sodass wir ab November mit den ersten

Patientenbehandlungen beginnen können.« Von Beginn an eine treibende Kraft hinter MedAustron, zeigt

sich Schneeberger stolz, dass »MedAustron dank Forschung und Medizin auf höchstem Niveau ein

Symbol der Zukunft und der Hoffnung im Kampf gegen den Krebs darstellt.«

Die angesprochenen Nachweise ergeben sich aus dem Verfahren zur Zertifizierung nach der

Europäischen Norm für Medizinprodukte ISO 13485, das MedAustron zurzeit durchläuft. Mit diesen

Nachweisen wird die letzte Auflage erfüllt, um den Betrieb als Ambulatorium aufnehmen zu dürfen. Die

grundsätzliche Betriebsbewilligung der UVP-Behörde wurde MedAustron diese Woche erteilt. Ab

November werden Patientinnen und Patienten schließlich mit Protonen behandelt, in weiterer Folge

werden die Behandlungsmodalitäten um weitere Strahlführungen und die zusätzliche Teilchenart

Kohlenstoffionen erweitert. Im Vollbetrieb werden schließlich rund 1.000 Patientinnen und Patienten

jährlich von der Ionentherapie bei MedAustron profitieren.